Des Schlehdorns Blüten sind die ersten im Frühjahr

von Traudl Walden

mit freundlicher Genehmigung der Zeitschrift Novalis.




 

Im April, manchmal schon an den letzten Kalendertagen im März, leuchtet es weiß an Wald– und Wegrändern. Besonders geomantische Störfelder sind beim Schlehdorn sehr beliebt. Er mag es, seine Äste mit schneeweißen, fünfstrahligen Sternchen geschmückt, in die Aprilsonne zu recken. Als Erster nach dem langen Winter wagt er es, seine Blüten zu zeigen – bevor die Blätter zum Vorschein kommen. Und den Bienen sind die zeitigen Blüten der Schlehe willkommen zur Honigproduktion.

Schlehe

Die Signatur der Schlehe lässt Hinweise schließen aus dem Gehölz und von der Blüte. Belebende Kräfte sind aus einer Tinktur vom Holz zu gewinnen, wobei die spitzen Dornen an den Triebspitzen den Schutz und die innewohnenden Abwehrkräfte wieder spiegeln. Die überreichlich und zarten Blüten der Schlehe stehen für “Verjüngung” , während die reifen Früchte – wenn sie der erste Frost erwischt hat – einen köstlichen Schlehenlikör ergeben. Der “lästige Unstrauch” der Fortwirtschaft zeigt die Vitalität, die in der Heilpflanze steckt.

Der Tee aus Schlehenblüten war schon in der Volksmedizin ein Mittel zur Blutreinigung und Frühjahrskur, weil es führt, gelinde ab, hieß es und stärkt den Magen und die Brust. Die Blüten in Zucker eingemacht dienten gegen Husten und heiseren Hals. Aus den ausgesteinten Früchten kochte man mit Wasser und Wein das Schlehenmus zur Magenstärkung, gegen Durchfall und Harnbeschwerden. Der Sud der Wurzelrinde hat fieberwidrige Wirkung, stillt das Nasenbluten und darin gebadet, heilt es den Gebärmutter– und Mastdarmvorfall. So steht es in alten Kräuterbüchern niedergeschrieben.

Der Volksmund weiß zu berichten: “Blüht der Schlehdorn reichlich, werden die Jungfrauen weniger und es gibt viele uneheliche Geburten”. Somit ist der Schlehdorn ein Fruchtbarkeitssymbol!

Im Handbuch des Aberglaubens ist nachzuschlagen, dass alle Dornensträucher, so auch der Schlehdorn, Hexen abwehren. Man nagelte am Walpurgisabend die Zweige an die Stalltüren oder steckt sie auf den Misthaufen. Melkt dann die Hexe die Kuh wieder, so stechen die Dornen sie in die Hand. Im landwirtschaftlichen Aberglauben spielte das Blühen und Fruchten der Schlehe eine große Rolle. Je früher die Schlehen blühen, desto früher ist auch die Getreideernte. Wenn es viele Schlehenfrüchte gibt, gibt es auch einen strengen Winter.

Nachdem der Schlehdorn bevorzugt auf geomantischen Störfeldern wächst, bietet es sich förmlich an, ihn Leuten zu empfehlen, die viel vor Monitoren und Computern arbeiten müssen. Die Schlehe gibt Schutz vor elektromagnetischen Feldern und Störzonen. Das Präparat aus den blühenden Zweigspitzen gehört zu den besten Mitteln der Phytotherapie und wird von Weleda hergestellt: Prunus spinosa summitates Rh D3 Dilution, 3mal täglich 10 Tropfen im Mund zergehen lassen.

Kräuterpfarrer Künzle sagte über die Schlehe: “Aus dem Schlehenholz zieht die Pflanzenheilkunde ein vorzügliches Mittel gegen die Gicht”. Das Rezept lautet: Nimm Asche vom Schlehenholz, gieße diese mit heißem Wasser an und rühre dies gut zu einem Brei. Siede diesen flüssigen Brei durch ein Tuch, sodass die Asche zurückbleibt. Zu dem gesiebten Wasser füge noch eine Hand voll Gewürznelken, ebenso viel Zimt, ein bis zwei Liter Wein – in dem Honig aufgelöst wurde – hinzu. Von dieser Zubereitung trinke der Gichtige morgens nüchtern ein halbes Trinkglas, nach dem Essen ein ganzes Trinkglas.

Die Blüten werden jetzt im zeitigen Frühjahr gesammelt und getrocknet. 2 Teelöffel davon werden mit 1 Tasse heißem Wasser übergossen. 10 Minuten ziehen lassen und mit Honig süßen. Der Tee ist besonders für Kinder als mildes Abführmittel geeignet. Der Tee regt Blase und Nieren an, bringt den müden Stoffwechsel in Schwung und führt so ganz nebenbei noch Blasengries und Nierensand mit ab. Hierfür trinkt man den Tee kurmäßig über längere Zeit, so 2 bis 3 Tassen täglich.

Aus Bernhard Kronenbergers “Kräuterhannes” (1932) ist das Teerezept zur Stärkung der Nerven entnommen und setzt sich zusammen aus der Wurzel von Baldrian und Engelwurz, aus dem Kraut von Melisse, Schafgarbe und Thymian und aus den Blüten von Lavendel und Schlehdorn. Zu gleichen Teilen eine Kräutermischung herstellen lassen, 2 Esslöffel davon mit 500 ml heißem Wasser überbrühen und mit Honig gesüßt über den Tag verteilt trinken.

Wer jetzt Lust bekommen hat, die Schlehe in der Natur zu bewundern, dem sein noch folgender Tipp gewidmet. Jetzt ist auch die Zeit, in der man den Schlehdorn sicher vom Weißdorn unterscheiden kann. Die Blüten des Schlehdorns stehen an den nackten Zweigen, während die Blüten des Weißdorns erst nach den Blättern erscheinen.

© Traudl Walden
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